Eine neue Art, an Geld zu kommen

Kirchenstiftung bedient sich des Crowdfundings der Volksbank - Raiffeisenbank Vilshofen eG

Das Kirchendach ist kaputt. Um die Reparatur zu finanzieren, kennt die Pfarrei eine bewährte Methode: Die Gläubigen können eine Spende in den Klingelbeutel oder Opferstock werfen. „Das reicht nicht“, ist Kirchenpfleger Ludwig Silbernagl überzeugt, der sich um die Finanzen der Stadtpfarrei Vilshofen kümmert. Er greift zu einer neuen Art, um an Geld zu kommen. Crowdfunding. Crowdfunding (von englisch crowd für ‚(Menschen-)Menge', und funding für ‚Finanzierung') ist nicht neu. Die Gruppenfinanzierung gibt es schon länger. Die Banken bieten diese Möglichkeit über Spendenplattformen an – seit Neuestem auch die Volksbank-Raiffeisenbank Vilshofen eG. Damit hat sich Kirchenpfleger Silbernagl nun beschäftigt und hofft, bis zum 15. April über 15.000 Euro zusammenzukriegen.
Kathrin Wagner ist bei der Genossenschaftsbank mit Sitz am Vilshofener Stadtplatz für das
Projekt zuständig. Die Bank verteile jährlich rund 80.000 Euro an Vereine und gemeinnützige
Organisationen, erläutert sie. Das erfolgte überwiegend über die örtlichen Vertreter. „Da war
wenig Dynamik“, habe die Bank im Lauf der Jahre festgestellt. Die Verteilung des Fonds soll
nun über das Crowdfunding erfolgen.

Am Beispiel des Kirchendachs lässt sich das System erklären. Silbernagl hat sich das Ziel gesetzt, 15 000 Euro zusammenzubringen. Spender sind aufgefordert, Geld für das Projekt einzuzahlen. Die Bank verspricht, jeden Betrag bis zu 50 Euro zu verdoppeln. Zahlt jemand 20 Euro ein, verdoppelt die Bank den Betrag, ebenso bei 50 Euro. Zahlt jemand mehr (z.B. 150 Euro), dann gibt es 50 Euro von der Bank – in der Summe also 200 Euro.
„Gemeinsam Gutes tun“, sagt Kathrin Wagner, das sei die Motivation. Dass es funktioniert, haben die beiden ersten Projekte gezeigt. Der SV Garham hat für den Bau des Kunstrasenplatzes 15.840 Euro zusammengebracht, 7.500 davon von der Bank. „Der Verein hat viel Werbung für die Aktion gemacht und sie so zum Erfolg geführt“, berichtet Wagner. 173 Unterstützer waren es am Ende. Der ESC Vilshofen hatte sich 10.000 Euro zum Ziel gesetzt und kam auf 10.230 Euro, 5.000 davon von der Bank. Das Geld ist für die Eishockey-Ausstattung bestimmt. Inzwischen haben weitere Vereine Projekte angemeldet: Helmut Huber aus Aldersbach sammelt Geld für den Ankauf von Regenwald, der SV Hofkirchen will zum 1. März starten, der SV Aicha v. Wald steckt in den Startlöchern. „Es geht um Solidarität“, betont Kathrin Wagner, der bewusst ist, dass mancher Pfiffige im Verein versuchen könnte, zu tricksen. „Unser bundesweit bewährtes System hat Sicherheitsschranken eingebaut.“ Mehrmöchte sie nicht verraten. Es gehe nicht, dass ein Verein versuche, mit eigenem Geld zu versuchen, die Verdoppelung durch die Bank zu erreichen. Kommt die angestrebte Summe (es können Beträge ab 1000 Euro festgesetzt werden) nicht zusammen, erhält jeder Spender sein Geld zurück.
Zurück zum Kirchendach. Das neue Dach kostet 1.050.000 Euro. Einen Großteil übernimmt
die Diözese. Die Pfarrei muss 350.000 Euro beitragen. „Zehn Prozent haben wir bisher
geschafft“, berichtet Kirchenpfleger Ludwig Silbernagl, der darauf hofft, dass der Pfarrer bei
den Gottesdiensten auf das neue Aussehen des Klingelbeutels hinweist und Plakat und Flyer herzeigt.

Quelle: Vilshofener Anzeiger

Die Baustelle für die Dachsanierung der Pfarrkirche Vilshofen im Hintergrund, zeigen Bank-Vorstand Martin Tiefenbrunner und Kathrin Wagner (Marketing) das für das Projekt entwickelte Plakat. Bei jeder Spende freue man sich, den Betrag verdoppeln zu können. – F.: Rücker