Vertreterversammlung 2020

Volksbank - Raiffeisenbank Vilshofen eG tagt erstmals rein virtuell

Die 196 Vertreter sehen und hören sich die Bilanz am PC an - Prähofer: „2019 war im Vergleich zu 2020 ein harmloses Jahr“

Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank - Raiffeisenbank Vilshofen eG, Klaus Prähofer, bei der Video-Einspielung im Rahmen der virtuellen Vertreterversammlung

Artikel im Vilshofener Anzeiger am 05.11.2020 von Helmuth Rücker.

Vilshofen. „Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen“, sagt Klaus Prähofer. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank - Raiffeisenbank Vilshofen eG hält eine viertelstündige Rede an die 196 Vertreter der Genossenschaftsbank und zieht für 2019 Bilanz. Doch die Vertreter der Mitglieder sitzen nicht wie die vergangenen 125 Jahre in einem Saal sondern vor ihrem PC daheim oder in einer der Zweigstellen. Coronabedingt findet die Vertreter-versammlung erstmals rein virtuell statt.

Das ist ungewohnt - für beide Seiten. Das Treffen der Vertreter mit Einladung zu Essen und Trinken ist auch ein gesellschaftliches Ereignis. Es wird nicht nur die Bilanz vorgelegt, es gibt am Rande auch viel Neues. Und nun sitzt jeder - je nach Ausdauer - einen Abend lang vor dem Computer Bildschirm. Neues erfahrt er trotzdem.

Das Aufnahmestudio für die Online-Vertreterversammlung ist der Sitzungssaal im Gebäude der ehemaligen Volksbank. Aufsichtsratsvorsitzender Josef Siglmüller wie Prähofer stehen am Rednerpult vor einer grauen Wand, gelegentlich variiert der Bildausschnitt. Graphiken werden eingespielt. Die Diskussion findet via Chat statt. Von den 196 Vertretern meldet sich ein knappes Dutzend - überwiegend mit Lob für die gute Bilanz.

Klaus Prähofer sprach für das Jahr 2019 von einem „respektablen Ergebnis“, gegenüber dem Corona-Jahr 2020 ein „harmloses Jahr“. Die Bank habe eine Bilanzsumme von 877 Millionen Euro erzielt. Das sei eine Steigerung von drei Prozent gewesen. 530 Millionen Euro habe man an Krediten ausgegeben, „das ist fulminant“, freute sich Prähofer über die positiven Zahlen. Die Hälfte der Kredite ging an gewerbliche Kunden. Es habe viele Hausfinanzierungen gegeben. „Wer ein Eigenheim bauen will, muss mit Kosten von 500 000 Euro rechnen“. sagt Prähofer.

Im genannten harmlosen Jahr 2019 sei das Umfeld wenig verändert gewesen. Die Zinsentwicklung habe den Mitarbeitern wie der einiges abverlangt. Wie ungünstig das Zinsniveau gegenwärtig ist, veranschaulichte Prähofer mit einem Beispiel. „Wenn ich heute 1004 Euro für eine Bundesanleihe ausgebe, bekomme ich nach zehn Jahren 1000 Euro zurück.“

Immerhin: Für die 13 150 Mitglieder gibt es eine Dividendenausschüttung. Diese war bis zum 30.9. verboten, aber im Oktober wieder möglich. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, zwei Prozent auszuschütten plus ein Prozent Sonderbonus, da die Bank im vergangenen Jahr ihr 125. Bestehen feiern konnte. Wer 20 Anteile zeichnet (mehr geht nicht), erhält somit 96 Euroausbezahlt.

Klaus Prähofer nannte weitere Zahlen. 35 000 Menschen sind Kunden bei der Bank, die über zwölf Geschäftsstellen verfügt. Coronabedingt hatte man in diesem Jahr einige Geschäftsstellen ganz geschlossen bzw. die Öffnungszeiten halbiert. Im April 2021 soll ein Kunden-Dialog-Center in Betrieb genommen werden. Mit eigenen Mitarbeitern sollen Telefonate und Mails abgearbeitet werden. „Die Kunden haben so zwischen 8 und 17 Uhr einen Ansprechpartner“, erklärt Prähofer die Veränderung. Die Geschäftsstellen Vilshofen, Aidenbach und Eging am See sind dann vormittags von 8.30 bis 12.30 Uhr und freitags zusätzlich am Nachmittag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

Von den 204 Beschäftigten sind 14 Auszubildende. „Ich bin stolz auf unsere Truppe“, sagt Prähofer, der zum 30. Juni 2024 in den Ruhestand gehen möchte. Zu den personellen Veränderungen gehört, dass Vorstand Gerhard Hallhuber zum 30. April 2020 in den passiven Teil seiner Altersteilzeit gegangen ist. Martin Tiefenbrunner wird dies zum 1. April 2021 tun. Für Prokurist Franz Fischer (Ruhestand) ist Martina Pena nachgerückt. Als Nachfolger von Martin Tiefenbrunner im nächsten Jahr steht bereits Christian Bumberger - ein Aldersbacher - fest. Das Ziel, mit der Fusion von Volksbank und Raiffeisenbank eines Tages nur noch zwei Vorstände (von einst vier) zu haben, ist bereits erreicht.

Auch die Zahl der Aufsichtsräte soll im Lauf der Zeit auf sechs reduziert werden, gegenwärtig sind es noch acht. Franz Rintsch aus Ortenburg, der seit 17 Jahren dem Gremium angehörte, wurde verabschiedet. Für ihn gab es keinen Ersatz. Wiedergewählt wurden Karl Walch und Andrea Brunner. Die Volksbank – Raiffeisenbank Vilshofen eG hat im vergangenen Jahr 2,2 Mio. Euro in der Region investiert, unter anderem in die Errichtung bzw. Beteiligung an PV-Anlagen. Im Sommer nächsten Jahres möchte die Bank das Grundstück der alten Post an der Aidenbacher Straße verwerten. Der dort agierende Donau-Flohmarkt wird in ein neues Quartier umziehen müssen.

Zu den gern genannten Zahlen gehören noch folgende: 2,3 Mio. Euro zahlte die Bank im vergangenen Jahr an Steuern, 1 Mio. Euro davon Gewerbesteuer an die örtliche Kommune. 83 250 Euro spendete die Bank für karitative, sportliche, kulturelle und gemeinnützige Zwecke.

Bis zum vergangenen Freitag konnten die Vertreter virtuell abstimmen. Die Vertreterversammlung hat der Bilanz zugestimmt. Vereinzelt kam es laut Prähofer zu Gegenstimmen.

Da es in diesem Jahr wegen der besonderen Umstände keine Präsenz-Versammlung mit Einladung zu einem Essen gab, bekommen die Vertreter über ihre Geschäftsstellen eine Geschenktasche mit Honig, zwei Bier, Künzinger Glühwein, Geselchtes und einer Tasse mit dem neuen Logo der Bank: „VRV- Meine Bank mit Herz & Verstand“.

Auch die Worte von Aufsichtsratsvorsitzender Josef Siglmüller wurden aufgenommen und konnten daheim abgespielt werden.