Auch die Raiffeisenbank stimmt einer Fusion zu

102 Vertreter sind dafür, drei dagegen – Stundenlanger Abstimmungs-Marathon – Am Schluss mehr Erleichterung als Euphorie

Am Schluss der vielen Abstimmungen hieß es: 102 sind für und drei gegen die Fusion von Raiffeisen- und Volksbank in Vilshofen. Foto: Rücker

Artikel im Vilshofener Anzeiger am 20. Mai 2017 von Helmut Rücker.

Vilshofen. Nach einem Abstimmungsmarathon haben die Vertreter der Raiffeisenbank Vilshofener Land am Donnerstagabend der Fusion mit der Volksbank Vilshofen zugestimmt. 106 der 152 Vertreter waren in den Wolferstetter Keller gekommen. Die vierstündige Sitzung war mehr von strengen Abstimmungs-Regularien bestimmt als von Debatten, ob die Fusion der beiden Genossenschaftsbanken gut ist oder nicht. Das war in vielen kleineren Vertreter-Versammlungen im Vorfeld geklärt worden.

Trotzdem war eine gewisse Nervosität zu spüren. Das Ziel einer 100-prozentigen Zustimmung, wie das zwei Tage vorher die Volksbank geschafft hatte, wurde nicht erreicht. 102 Vertreter waren dafür, drei dagegen, ein Vertreter enthielt sich der Stimme. Raiffeisenbank-Vorstandsvorsitzender Klaus Prähofer zeigte sich „froh und glücklich“.

Mit der Fusion wollen sich die beiden Genossenschaftsbanken größer aufstellen, um den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein. Die Bilanzsumme steigt mit der Fusion auf knapp 800 Millionen Euro. Den künftig 220 Mitarbeitern wird eine Beschäftigungsgarantie bis 2019 gegeben. Die Bank trägt ab dem 1. Juli den Namen VRV (Volksbank - Raiffeisenbank Vilshofen e.G.).

„Habt‘s den Champagner schon hergerichtet?“, fragte Feinkost-Unternehmer Xaver Troiber aus Hofkirchen, einer der Vertreter, in die Runde der nebenan sitzenden Volksbank-Vorstände. Wirt Tom Wagenpfeil schüttelte den Kopf: „Ich habe keine Order.“ Nach vierstündiger Sitzung wollte trotz der ersehnten Entscheidung keine Euphorie aufkommen, das Ziel endlich erreicht zu haben. Die Angelegenheit war an sich sehr ernst. Mehrmals wurde darauf hingewiesen, dass jeder, der den Saal verlässt, seine Stimmkarte abgeben muss. Zwei Damen wachten darüber. Vor jeder Abstimmung wurde nachgefragt, wie viel Stimmberechtigte sich gerade im Saal befanden.

Es wurde nicht geheim abgestimmt, sondern durch offenes Zeigen der Stimmkarte. Für jede der sechs langen Sitzreihen waren zwei Stimmzähler zuständig. Es wurde gezählt, verglichen, kontrolliert, notiert, protokolliert – alles unter Aufsicht einer Notarin. Es sollte ja kein Formfehler passieren – nicht, dass der Prozess angefochten und als ungültig erklärt werden könnte. So eine Bankenhochzeit ist nicht etwas, was man so nebenbei machen kann.

An diesem langen Abend, bei dem sich alle zuvor mit Schweinelendchen stärkten, kamen einige interessante Details ans Tageslicht. Die Fusion, die 2003 schon einmal versucht worden war, aber wegen des falschen Zeitpunkts scheiterte, wurde möglich, weil Thomas Peter im Februar 2016 überraschend aus dem Vorstand ausschied. Das hieß: Bei einer Fusion wären nur drei Bankvorstände zu berücksichtigen. Erstmals trafen sich die Vorstände der beiden Banken in einem Café in Pfarrkirchen. Ein zweites Rendezvous fand in Regensburg statt – und prompt begegnete man zufällig einem Raiba-Vertreter.

Die Diskussion vor der Abstimmung war kurz. Es wurde die Sorge geäußert, Mitarbeiter könnten ihren Arbeitsplatz verlieren. Klaus Prähofer versicherte: „Die Leute können sich auf uns verlassen.“ Eine Notwendigkeit zu betriebsbedingten Kündigungen sah er auch deswegen nicht, weil in den nächsten vier Jahren über 20 Mitarbeiter das Rentenalter erreichen. Für Aidenbach wurde ein behindertengerechter Eingang gefordert. Auch dieser wurde zugesichert.

Hofkirchens Bürgermeister Willi Wagenpfeil warb für die Fusion. Die Bank stelle sich größer auf und konnte so die zukünftigen Herausforderungen meistern. Sein Wunsch: Bleibt bitte in der Fläche vertreten. Vilshofens 2. Bürgermeister Christian Gödel sprach von einer historischen Chance, eine starke Genossenschaft zu schaffen. Wie die Raiffeisen-Vorstände Klaus Prähofer und Helmut von Hasselbach erinnerte er daran, wo die Bank vor gut zehn Jahren stand. Heute, so Prähofer, habe man 33,6 Mio. Euro Eigenkapital. Als er und von Hasselbach vor 13 Jahren zur Bank gekommen ist, seien es vier Millionen Euro Schulden gewesen. „Die Zeit ist reif für eine Fusion.“ Die drei Vertreter, die gegen die Fusion stimmten, begründeten dies in der Vertreterversammlung nicht.

„Um im Vergleich mit Braut und Bräutigam zu bleiben“, sagte der Leiter der Abstimmung, „die Braut darf jetzt geküsst werden.“ Die Spitze der Raiffeisenbank applaudierte, v.l. Vorstandsvorsitzender Klaus Prähofer, Vorstand Helmut von Hasselbach (noch bis 30. Juni) und Aufsichtsratsvorsitzender Josef Siglmüller. Foto: Rücker

Die Banken verschmelzen (es gibt einen Verschmelzungsvertrag), indem die Raiffeisenbank die Volksbank aufnimmt. Begründung: Die Volksbank hat weniger Immobilien, damit fallen bei dieser Regelung weniger Grunderwerbssteuern an. Es seien trotzdem noch 123 000 Euro. Die VRV wird knapp 14 000 Mitglieder haben. Die Zahl der Aufsichtsräte bleibt (sechs RVL und drei VB). Ein neuer Betriebsrat ist bald zu wählen. Die zuvor ausgehandelten Alterszeitverträge für die VB-Vorstände Martin Tiefenbrunner und Gerhard Hallhuber bleiben mit der Fusion bestehen.

Zuvor hatten die Vertreter die RVL-Jahresbilanz für 2016 abgewickelt. Der Jahresüberschuss betrug 601 068 Euro, 240 876 werden als Dividende (3 Prozent) ausgeschüttet. Die Bilanzsumme war um 7,5 Prozent auf 433 Mio. Euro gestiegen. Trotz der ungünstigen Zinslage sei es ein „ausgesprochen gutes Jahr gewesen“.